Trockenheit bereits im Mai – Bäume freuen sich über jeden Liter Wasser

Bildquelle SIH: SIH-Meister Eckehardt Schröder führt die Baumbewässerung mit speziellen Bewässerungssäcken vor. Diese werden um die Bäume gebunden und können mit mehreren Dutzend Litern befüllt werden und geben das Wasser durch kleine Öffnungen kontinuierlich ab, ohne das unnötig Wasser abfließt.

Der Hochsommer ist zwar noch nicht in Sicht, allerdings hat die Natur bereits jetzt mit der anhaltenden Trockenheit zu kämpfen. Der Märkische Stadtbetrieb Iserlohn/Hemer ist mit seinen Bewässerungsfahrzeugen bereits jetzt unterwegs und bringt dabei rund 10.000 Liter Wasser täglich vor allem für Jungbäume bis fünf Jahren aus. Diese Menge allein reicht nicht aus.


Axel Raue, Vorstand des Märkischen Stadtbetriebs Iserlohn/Hemer, macht deutlich, dass wir bereits im dritten Jahr hintereinander zu wenig Niederschläge verzeichnen müssen. Insbesondere im Frühjahr! Vielerorts wurden auch in der Bundesrepublik die Grundwasserspeicher in den Wintermonaten nicht wieder aufgefüllt. Wer mit offenen Augen die Landschaft erkundet, wird abgestorbene Bäume zu konstatieren haben; insbesondere Birken und Buchen haben stark gelitten und im Frühjahr 2020 nicht wieder ausgetrieben.


Mit steigender Erkenntnis in der Gesellschaft für den Klimawandel wird deutlich, dass sich auch der SIH im Bereich Bewässerungstechnik wird stärker aufstellen müssen und dies bedeutet auch, es wird intensiver in Technik wie Wasserfässer, Anhänger, Pumpen und Fahrzeuge investiert werden müssen. „Jedoch ist hier weiterhin auch Augenmaß gefordert, da es nicht zielführend erscheint, sich auf jede Extremsituation einstellen zu wollen. Der Trend zu anhaltender Trockenheit ist jedoch eindeutig und impliziert Handlungserforderlichkeit“, so Raue.


Der SIH hat in der Pflanzsaison 2019/2020 rund 200 neue Jungbäume in Iserlohn und Hemer gepflanzt. Für das Stadtklima sind Bäume in ihrer unmittelbaren Wirkung unbestritten essentiell, um die Temperaturen im urbanen Kontext – Gebäude und Straßen heizen sich im Sommer stark auf - abzukühlen. Raue weiter: „Der Kühlungseffekt entsteht durch die Verdunstung von Wasser bei der Photosynthese. Eine ausgewachsene Buche verdunstet pro Tag ca. 500 Liter Wasser und bestreitet damit eine Wohlfahrtswirkung in der Umgebung.“


Jungbäume bis zu einem Alter von fünf Jahren an dem jeweiligen Standort müssen künstlich bewässert werden, bis die Wurzeln in tiefere Bodenschichten vorgedrungen sind. „Innenstadtstandorte sind auf Grund der oftmals sehr eingeschränkten Möglichkeiten im Wurzelraum und der Konkurrenz um Platz mit Leitungen wie Strom, Wasser, Abwasser und den technischen Bauwerken wie Straßen, Bordsteinen und Gehwegen suboptimal für die Entwicklung der Jungbäume. Stadtbäume haben also wesentlich schlechtere Ausgangsbedingungen als Bäume im Wald oder der freien Landschaft“, erläutert der SIH-Vorstand, „der Baumbestand in den beiden Städten Iserlohn und Hemer ist ein weicher Standortfaktor und trägt wesentlich zur Lebensqualität der Stadtgesellschaft bei.“


Ihre Bäume benötigen Ihre Unterstützung!


„Jeder kann mitmachen!“, ruft Raue auf, „schließlich sind gesunde Bäume nicht nur schön anzuschauen, Jungbäume zu bewässern ist ein wesentlicher Beitrag für ein kühleres Stadtklima.“ Angesprochen fühlen dürfen sich alle umweltbewussten Bürgerinnen und Bürger, so Raue, der einige Tipps des BUND mitgibt.


- Gießen Sie nicht einmal pro Woche 8 bis 10 Eimer auf einmal. Wässern Sie den Baum stattdessen jeden Tag nur ein bisschen, so bleibt das Wasser in der oberen Bodenschicht und erreicht nicht die tiefer liegenden Baumwurzeln. Erst wenn die Baumscheibe richtig durchtränkt ist, kann der Baum das Wasser ziehen, wenn er es braucht.


- Baumscheiben (der Boden um das untere Ende eines Baumstamms) sollten zunächst mit
dem ersten Eimer Wasser langsam angefeuchtet werden, geben Sie dann nach und nach die
restlichen Eimer dazu. So kann das Wasser richtig tief einsickern, ohne oberflächlich
abzufließen.


- Sollte der Boden zu verdichtet sein, empfiehlt es sich, die Baumscheibe mit einer kleinen
Harke etwas zu lockern, sofern keine Baumscheibenbepflanzung vorhanden ist.


- Wenn eben möglich nutzen Sie (gerne auch brackiges) Wasser aus Regentonnen und
Zisternen und gehen Sie umsichtig mit dem Trinkwasser um.
Sollte die Trockenphase auch in diesem Frühsommer weiter anhalten, wird der SIH auch wie
in den letzten Jahren wieder die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren erbitten, die mit
ihren Tanklöschfahrzeugen unterwegs sein könnten und die Kollegen des SIH bei der
Bewässerung von Beeten und Bäumen unterstützen: „Der SIH stößt bei den
Bewässerungsmaßnahmen personell und maschinell an seine Grenzen, denn zu dieser
Jahreszeit müssen auch viele andere Aufgaben erledigt werden.“ Die Mitarbeiter kümmerten
sich beispielsweise um die Hinweise und Wünsche der Bürger, um die
Verkehrssicherungspflicht, sie pflegten Parkanlagen, hielten sie in Form und schnitten deren
Wege frei. Hinzu käme das knappe Zeitfenster innerhalb der Sommerferien, in denen der
Fokus auf Grünpflege an Schulen und Kindergärten.